Abenteuer Treppenlauf – nicht nur ein lockerer Dauerlauf

von Robin Duha

So ging es am letzten Wochenende mit Maik Eisleben (amtierender Barock- und Knappenman) und Christian Jentzsch (Newcomer des Jahres und Raketenbauer ) als Dreier-Team zum Mount Everest Treppenmarathon. 

Am Nachmittag zuvor nach ich noch beim „ Beat the Record“ teil. Ziel war es nochmal zu schauen, ob alle Stufen da sind und eine schnelle Runde zu laufen. Das Training der letzten Wochen war aber auf die lange Strecke ausgerichtet, von daher war für mich der Rekord schon vor Start kein Ziel und ganz Vollgas wollte ich auch nicht geben, denn die wirkliche Herausforderung wartete noch am Abend. So war ich mit meiner Zeit von 4:34Minuten zufrieden. Meine zweitschnellste Zeit bisher und auch die zweitbeste des Tages. Respekt an Franz, der den Rundenrekord auf 3:56 Minuten drückte!

Um Mitternacht von Samstag zu Sonntag fiel dann der Startschuss. Der Start in der Nacht stellt also auch eine Schwierigkeit dar. Nicht nur wegen der Kälte und Dunkelheit, sondern auch der Schlafmangel wird sich irgendwann zeigen. 

Es warteten 84 Kilometer, 8848 Höhenmeter und insgesamt 79.400 Stufen auf uns. Das ganze entspricht also einem Doppelmarathon in der Länge und genau die Höhenmeter vom Mount Everest hoch und runter.
Ziel war es gut durchzukommen, klar hatten wir den Rekord der „Wölfe“ von 10:10:54 Stunden aus dem Jahr 2012 im Hinterkopf, allerdings fehlte uns da auch die Erfahrung. So war das Ziel mit Spaß und Power durchzukommen.Von den insgesamt 100 Runden auf der Spitzhaustreppe, sollte also jeder 33 laufen. Die letzte Runde wird dann verlost.

Die erste Runde lief Maik Eisi Eisenhauer und konnte in Führung liegend auf mich wechseln. Ich konnte den Vorsprung halten und dann stieg Treppenheld Christian ins Geschehen ein. Seine Devise : „Ich nehme lieber immer zwei Stufen hoch zu, das ist nicht so anstrengend wie eine“. Die Taktik ging auf und der Vorsprung baute sich dank seinen konstanten Rundenzeiten von ca. 5:30 Minuten rasant aus. Auch das „zu schnell“ von mir konnte ihn nicht bremsen, es warteten ja noch ein paar Runden. So hielten wir unsere Reihenfolge und wechselten nach jeder Runde. 
Doch das ganze war auch ein wenig gewollt um Vorsprung heraus zu holen und die anderen Teams unter Druck zu setzen (Taktik). So waren wir von Beginn an deutlich unter Rekordkurs, aber es war noch kein Viertel geschafft!

 

Maik Treppenhauer spulte konstant seine Runden ab. Ich blieb weiterhin vorsichtig. „Ich versuche so lange wie möglich locker zu bleiben“. Gerade die Stufen runter merkte man, dass viele Sportler auf der Strecke waren und musste sehr oft abbremsen oder stehen bleiben.
Es wurde immer später, die Halbzeit nahte und es wurde immer kälter. Zum Glück blieb es aber bis zum Morgen trocken.

Nach 10 Runden fragten wir uns, wie wir denn den Rest noch schaffen sollten. Warum und Wie sollen wir das schaffen. Das Spiel im Kopf begann. Aber Maik Eisenhauer konnte immer gut motivieren und mit seinen Erfahrungen von den langen Strecken weiterhelfen und etwas Ruhe und Ordnung in den Hühnerstall reinbringen. „Verstehen sie mich, soll ich langsamer sprechen?“
„Wir nehmen jetzt nicht raus, wir machen genau so weiter!“
Ab ca. 5 Uhr kam dann unsere Geheimwaffe ins Spiel. „Teammasseurin“ Sandra stand etwas verspätet bereit um unsere Beine zu lockern. 

So kam es aber dazu, dass Raketen JenTZsch so schnell war, dass Eisi ihn gar nicht sah und er zweimal gleich eine 2. Runde ranhängen musste oder durfte?
Die Kälte machte Allen zu schaffen. Ich war der erste aus dem Team, bei dem die Krämpfe nach ca. 15 Runden „Hallo“ sagen wollten. Aber dank etwas Wärme, Massage und wärmeren Sachen konnte ich meine Runden noch durchrennen. So ging es im „Tippelschritt“ weiter! Weiterhin wurde weiter immer nach jeder Runde gewechselt. Die Pause war wichtig. Verpflegen, rollen, warm halten etc..

Andere Starter konnten uns nicht verstehen. „Die fahren dazwischen noch Fahrrad.“ „Die werden ja gar nicht langsamer.“ „Immer diese blauen.“ „Warum können die Triathleten die Treppe so schnell laufen?
Wir hatten das „Glück“ ein großes Zelt für uns zu haben. Da es das einzige nicht beheizte war, schien kein anderer Interesse zu haben. So bauten wir ein Zelt im Zelt auf. Außerdem hatten wir genug Platz für unsere Rolle.

Gegen 6 Uhr wurde es dann endlich hell. „Jetzt kann ich endlich mal die Stufen sehen, ich bin die ganze Zeit blind aus dem Gedächtnis die Stufen abgelaufen.“ Aber die Helligkeit brachte auch Niederschläge mit sich! So gab es einen Mix aus Schnee und Regen (auch Schneeregen genannt). Der Vorteil: Es waren nicht mehr so viele Starter auf der Strecke, was schnelleres herunterlaufen ermöglichte. Der Nachteil: Die Treppe war nass und rutschig, was Schnelles herunterlaufen verhinderte. Mit einem schönen „Guten Morgen Sonnenschein“ Lied ging es weiter, noch 4 Stunden zu spielen, wenn alles gut geht!

Langsam hatten wir alle unsere Probleme, das Wetter und die Beine machten zu schaffen. Auch Maik Treppenhauer, „Alles Luschen!“ und unsere Rakete wurden etwas langsamer. Wir konnten aber immer noch stabile Zeiten zwischen 6:20 und 6:30 laufen. Das Rennen spielte sich nun nur noch im Kopf ab. Den Rekord hatten wir nicht mehr im Visier, wir wollten nur noch schnell ankommen. Zu den anderen Teams hatten wir schon einige Runden Vorsprung rausgelaufen.

8 Uhr starteten dann die 50er Staffeln. Ich hatte meine ersten privaten Feuerwerksvorstellungen, die Waden fingen immer mehr an zu zucken. Raketen JenTZsch zog sich noch eine zweite lange Hose an, damit die Beine muskulöser aussehen. Es wurde immer schwerer, aber wir sind ja ein Team!
In der letzten Stunde realisierten wir dann, dass der Rekord doch noch greifbar wäre. So mobilisierten wir nochmal alle Kräfte. Spezialmischungen wie Kaffee oder Cola mit Salz wurden entdeckt und irgendwie half es auch. Nur weiter zu empfehlen!
„Das Leben will am Leben bleiben“ (Maik Eisenhauer)
Jetzt hatten wir alle drei mit Krämpfen zu tun und mobilisierten nochmal alles. Das Runden zählen fiel auch schwer. So hatte Eisi schon eine Runde vor Ziel den Zieleinlauf geübt und ich habe mich mit Streckkrämpfen das Geländer hochgezogen. Christian „der Eisheilige“ ging auf unsere letzte Runde. Mit einer super Zeit und einem „Schmeiß die Blumen weg“ von Maik konnten wir die Zuschauer für uns gewinnen und mit neuem Streckenrekord von 10:08:44 Stunden den Mount Everest als erstes Team erklimmen! Das bedeutet auch die schnellste jemals gelaufene Zeit für 100 Runden!

Zu Beginn hätten wir kaum gewusst wie wir das Ganze ins Ziel bringen sollen. Wir haben viel gelernt und Erfahrungen gesammelt und das Rennen im Kopf gewonnen. Irgendwie hatten wir aber doch jede Menge Spaß trotz der ganzen Stufen und der Bedingungen gehabt!
Das ganze wäre ohne die tolle Teamleistung nicht möglich gewesen! Denn wir waren alle sehr ausgeglichen (jeder lief mindestens 33 Runden) und konnten uns gegenseitig in schwierigen Situationen unterstützen.

Ein großer Dank an den SV Elbland, der unser Vorhaben unterstütze und auch an der Strecke motivierte!

Schöne Ostertage und vielen Dank nochmals an alle fleißigen Helfer.
Christian, Maik und Robin

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